Perspektiven und Preisgestaltung
Wie bereits erwähnt gehören amtliche
Briefmarken aus dem Sudetenland zu den größten
philatelistischen Seltenheiten, da diese Marken nur wenige Tage
zwischen dem 21.9.38 und dem 20.10.38 (Interimszeit: Abrücken
der tschechischen Behörden bis zur Geschäftsübernahme durch
die Deutsche Reichspost) frankaturgültig waren und nur
vorgefundene geringe Restbestände überdruckt wurden. Dadurch
kam es zu extrem geringen Auflagen von oft nur wenigen Stücken.
Besonderheiten wie "Kopfsteher", "vertauschte
Aufdruckfarbe" oder "vertauschte Aufdrucktype"
sind extrem rar. Hier dürften nur eine handvoll Exemplare
existieren.
Bei den angegebenen Auflagezahlen handelt es
sich um die ursprüngliche Auflage. Wieviele Exemplare den Krieg
wohlbehalten überstanden haben, läßt sich nur noch erahnen.
In der Vergangenheit führten diese
Postwertzeichen ein Schattendasein, da sich nur wenige Sammler
auf diesem Gebiet gut auskannten. Selbst die geringen Auflagen
dieser Briefmarken konnte der "Normalsammler" in den
gängigen Katalogen nicht nachschlagen. In Ermangelung dieser
Informationen waren hoffnungslose Unterbewertungen die Folge.
Dies hat sich in jüngster Zeit stark gewandelt. Aktuelle
Verkaufserlöse bei Auktionshäusern sprechen eine deutliche
Sprache.
Bemerkenswerte Ergebnisse bei renommierten
Auktionshäusern:
2007
So wurde z. B. bei der 329. Auktion von Heinrich
Köhler am 1.2.2007 ein Flugpostsatz von Karlsbad Nr. 20-27 auf
Sammlerbelegen für Euro 11.500,-- zugeschlagen. Dies ergibt
inkl. Auktionsnebenkosten ein Kaufpreis von ca. 14.000,-- Euro
und entspricht einem MICHEL-Preis von über 60% bezogen auf den
MICHEL-SPEZIAL 2006. Einmal mehr wurde belegt, dass die
Preisnotierungen für Sudetenland-Belege wegen der
Materialknappheit für Sammler-, Satz- und überfrankierte Briefe
gelten und dass für Sudetenland-Raritäten durchaus 5stellige
Preise zu erzielen sind.
Bei der 310. Götz-Auktion am 6.3.2007 wurde ein
Praga-Block Nr. 3 von Karlsbad mit Falz für 250,-- Euro
angeboten und bei Euro 900,-- zugeschlagen. Inkl.
Auktionsnebenkosten ergibt dies einen Kaufpreis von Euro
1.144,--. Im MICHEL-SPEZIAL 2006 wertet dieses Block postfrisch
bei 2.200,-- Euro, so dass für Falzqualität über 50 % erzielt
wurde.
Mit dem am 13.4.2007 erschienenen MICHEL-Katalog
Deutschland-SPEZIAL 2007 wurde das Gebiet Sudetenland völlig neu
bearbeitet. Der MICHEL-Redaktion ist es gelungen, ein umfassendes
Werk vorzulegen, das auf dem neuesten philatelistischen
Forschungsstand basiert und einen sehr guten Überblick über die
aktuelle Marktsituation gibt. Dieses Basiswissen steht nun einem
breiten Publikum zur Verfügung. So können sich nun weitere
Sammlerkreise diesem interessanten Gebiet widmen.
Auch die vom 30.5.-2.6.2007 stattgefundene 118.
Auktion von Ulrich Felzmann lieferte beeindruckende Ergebnisse.
Ein gestempelter Reichenberg Block Nr. 3 wurde mit 550,-- Euro
ausgerufen und mit 740,-- Euro zugeschlagen. Inklusive
Auktionsnebenkosten ergibt dies einen Kaufpreis von ca. 930,--
Euro, so dass über 66% vom neuen Michelwert erzielt wurden. Noch
gravierender waren die Ergebnisse beim Reichenberg-Maffersdorf
Block 4 postfrisch. Hier wurden inkl. Auktionsnebenkosten 104%
vom aktuellen Michelwert erreicht und ein Niklasdorfbrief mit der
Nr. 118 kam auf 103% der Michel-Briefbewertung. Von solchen
Ergebnissen können andere Gebiete nur träumen.
Am 6. Juli 2007 fand die 256. Auktion Hans Grobe
in Hannover statt. Die erzielten Zuschläge bestätigten eine
sehr starke Nachfrage nach Sudetenland-Marken. Einige Beispiele:
Reichenberg-Maffersdorf Nr. 127 + 128 gestempelt (Ausruf 70,-- E,
Zuschlag 120,--E, inkl. Auktionsnebenkosten = 60% Michel), Nr.
116 + 117 gestempelt (Ausruf 160,-- E, Zuschlag 250,-- E, inkl.
Auktionsnebenkosten = 61% Michel), Nr. 36 - 43 gestempelt (Ausruf
200,-- E, Zuschlag 320,-- E, inkl. Auktionsnebenkosten = 62%
Michel), Niklasdorf Nr. 60 gestempelt (Ausruf 120,-- E, Zuschlag
290,-- E, inkl. Auktionsnebenkosten = 88% Michel). Erstaunlich
war der Zuschlag einer Karlsbad 31 F gestempelt, die mit 250,--
Euro ausgerufen und erst mit 1.100,-- Euro zugeschlagen wurde.
Inklusive Auktionsnebenkosten ergibt dies einen Kaufpreis von
1.336,-- Euro (für eine Marke, die im Michel ** bei 450,-- Euro
steht). Wenn man allerdings berücksichtigt, dass die Auflage von
Exemplaren mit vertauschter Aufdruckfarbe meist an einer Hand
abzählbar ist (bei der gestempelten 31 F dürfte es sich um ein
Unikat handeln), werden diese Preisgebote leicht nachvollziehbar.
Auch die 257. Auktion von Hans Grobe brachte am
7. Sept. 2007 bemerkenswerte Resultate. Dass ein gestempelter
Trauerblock 2 von Karlsbad bei einem Ausruf von 600,-- Euro erst
bei 1.550,-- Euro zugeschlagen wurde, damit war zu rechnen. Dies
sind inkl. Auktionskosten 65 % vom Michel. Den Vogel schoß aber
ein gestempelter Reichenberg-Block Nr. 4 ab. Bei einem Ausruf von
250,-- Euro erfolgte der Zuschlag erst bei 860,-- Euro. Inkl.
Auktionskosten wurden damit ca. 143 % vom Michelwert bezahlt.
Bei der 119. Auktion von Ulrich Felzmann vom 12.
Okt. 2007 brachte es eine Niklasdorf Nr. 1 bei einem Ausruf von
80,-- Euro auf einen Zuschlag von 310,-- Euro. Inklusive
Auktionskosten ergibt dies einen Michelpreis von über 86%.
Auch in Hamburg bei der 50. Internationalen
Briefmarken- und Münzauktion der HBA wurden gute Erlöse
erzielt. Zwei Briefstücke von Asch mit der 3K und 5K wurden bei
einem Ausruf von 90,-- Euro auf 140,-- Euro gesteigert. Inklusive
Nebenkosten wurden 58% Michel geboten. Eine Rumburg MiNr. 22 auf
Briefstück wurde mit 240,-- Euro ausgerufen und erst bei 410,--
Euro zugeschlagen. Inklusive Nebenkosten wurden 64% Michelwert
bezahlt. Der gestempelte Reichenberg-Block 4 wurde mit Mängeln
zu 185,-- Euro angeboten und erst mit 300,-- Euro zugeschlagen.
Inklusive Auktionskosten wurden 50% vom Michelwert bezahlt, trotz
Altersflecken und Eckbug. Zum Vergleich: Ein einwandfreier Block
hatte bei Hans Grobe im September über 143% erzielt.
Auch die 1. Auktion von Schlegel am 19.11.07 in
Berlin brachte eine Sudeten-Überraschung. Eine kleine Sammlung
amtlicher Ganzsachen aus dem Sudetenland wurde mit 900,-- Euro
ausgerufen und erst bei 2.500,-- Euro zugeschlagen. Inklusive
Auktionskosten kommt der Erwerbspreis locker über 3.000,-- Euro.
Die Sudeten-Manie hat nun auch die bisher vernächlässigten
Ganzsachen erfasst.
Die 259. Auktion von Hans Grobe am 29.12.07
hatte nur eine einzige Sudetenlandmarke im Angebot: die Karlsbad
MiNr. 11 K gestempelt wurde bei einem Michelwert von 700,-- Euro
mit 350,-- Euro ausgerufen und mit 390,-- Euro zugeschlagen.
Inklusive Nebenkosten wurden gute 67% vom Michelwert erreicht.
2008
Auch die 332. Auktion von Heinrich Köhler vom
10.-15.3.08 in Wiesbaden beeindruckte mit guten Ergebnissen.
Dieses renommierte Auktionshaus hatte 3 Lose des Sudetenlandes im
Angebot: Ein Karlsbad-Block 1K wurde für 800,-- Euro ausgerufen
und mit 2.900,-- Euro zugeschlagen. Inkl. Auktionskosten kommt
dieser Block auf ca. 3.600,-- Euro, obwohl dieser Block leichte
Haftspuren aufwies. Eine Niklasdorf MiNr. 116 auf Blanko-Brief
wurde mit 400,-- ausgerufen und mit 1.000,-- Euro zugeschlagen.
Inkl. Auktionskosten waren für diesen Brief ca. 1.250,-- Euro zu
bezahlen. Mit 62% vom Michelwert belegte dies einmal mehr, dass
für das Sudetenland Briefnotierungen nicht nur für echt
gelaufene Stücke, sondern bereits für Sammlerbelege
(Blanko-Brief) bezahlt werden. Eine Niklasdorf MiNr. 117 ZF wurde
mit 80,-- Euro ausgerufen und mit 230,-- Euro zugeschlagen. Inkl.
Nebenkosten kam die Marke auf ca. 288,-- Euro.
Ebenfalls im März kam bei Bühler, Berlin, eine
Rumburg MiNr. 44 mit 900,-- Euro zum Ausruf. Auch hier war die
Zähnung nicht perfekt. Dennoch wurde der Zuschlag erst bei
1.100,-- Euro erteilt. Somit waren knapp 1.400,-- Euro für diese
nicht perfekte Marke zu bezahlen, bei einem Michelwert von
derzeit 2.200,-- Euro. Für Raritäten gelten schließlich andere
Qualitätskriterien als bei Masseware.
Am 18. April ist der neue MICHEL
Deutschland-Spezial 2008 erschienen. Dem Schwaneberger Verlag ist
es gelungen, dieses prosperierende Gebiet und die aktuelle
Marktlage gut darzustellen. Teilweise wurden wieder deutliche
Preissteigerungen bei amtlichen Sudetenland-Marken notiert.
Während Auktionszuschläge meist nur von wenigen Spezialisten
und Berufsphilatelisten wahrgenommen werden, ist der MICHEL ein
gutes Medium, breite Sammlerkreise auf dem aktuellen Stand zu
halten. Für jeden Sudetenlandsammler unverzichtbar.
Fast zeitgleich fand vom 17. - 19. April die 38.
Auktion von Hadersbeck in Berlin statt. Auch hier Top-Ergebnisse:
Ein Lot Niklasdorf (Ausruf: 120,-- Euro) wurde erst bei 440,--
Euro zugeschlagen. Inkl. Auktionskosten kam dieser Posten auf 85
% vom Michelwert. Eine Reichenberg MiNr. 46 gestempelt (Ausruf:
900,-- Euro) ging mit 1.900,-- Euro und ein Briefstück der MiNr.
46 (Ausruf: 1.000,-- Euro) mit 2.100,-- Euro über den Tisch.
Inkl. Nebenkosten wurden ca. 87 % vom Michel erreicht. Eine
Rumburg 48 I mit Falz (Ausruf: 1.000,-- Euro) wurde auf 2.400,--
Euro gesteigert, was inkl. Auktionskosten 75 % vom Michel
entspricht. Den Vogel schoss jedoch eine Rumburg 47 ZFw mit Falz
ab: Ausgerufen mit 400,-- Euro fiel der Hammer erst bei 1.100,--
Euro. Inkl. Nebenkosten wurde für diese Falzmarke über 105 %
vom neuen Michelwert bezahlt.
Hammerpreise auch bei HBA in der 51.
Internationalen Auktion vom 23. - 26. April in Hamburg: ein
selten angebotener Satz Sudetendeutsches Niederland (Ausruf:
55,-- Euro) wurde auf 140,-- Euro gesteigert. Inkl.
Auktionskosten sind dies ca. 70 % vom neuen Michelwert. Eine
Reichenberg MiNr. 50 gestempelt (Ausruf: 900,-- Euro) wurde mit
1.550,-- Euro zugeschlagen. Inkl. Nebenkosten kommt diese
Rarität auf ca. 64 % Michel. Shooting-Star war jedoch ein
Reichenberg- Block 4 K (Ausruf: 300,-- Euro). Dieser Block fand
erst bei 2.000,-- Euro seinen neuen Besitzer. Inkl.
Auktionskosten dürften dieser Block auf ca. 2.500,-- Euro (mehr
als der achtfache Ausruf) gekommen sein.
Nach längerer Zeit hatte auch Dr. Reinhard
Fischer, Bonn, in seiner 100. Jubiläumsauktion am 17. Mai wieder
einige Sudetenland-Raritäten im Angebot und wurde mit guten
Zuschlägen belohnt: Karlsbad MiNr. 51 ZFw und MiNr. 52 ZFw je
gestempelt wurden auf 760,-- Euro gesteigert. Die seltene
Reichenberg MiNr.105 und MiNr. 107 gestempelt wurden von je
550,-- Euro auf je 1.050,-- Euro gesteigert. Inkl. Auktionskosten
kam somit jeder Wert auf 79% vom Michel. Das Spitzenlos waren
Zwischenstegpaare 118 SZ und 119 SZ von Reichenberg-Maffersdorf.
Diese wurde mit 1.000,-- Euro ausgerufen und erst bei 2.000,--
Euro zugeschlagen. Inkl. Auktionsnebenkosten kam dieses Paar auf
2.540,-- Euro bzw. auf stolze 98 % vom Michel!
Auch bei der 7. Auktion von Gärtner vom 28. -
30.5.08 waren insbesondere Spezialitäten gefragt. Ein Satz mit
den Marken Konstantisbad 1-5 mit Falz wurde auf 540,-- Euro
gesteigert. Inkl. Nebenkosten wurde für diesen Falzsatz ca. 65 %
vom Michel bezahlt. Überraschende Ergebnisse erzielten auch
Ganzsachen. So wurde für eine Karlsbad P6 inkl. Zuschlag 105%
vom Michel bezahlt und eine Reichenberg P6 wurde sogar erst mit
156% vom Michel zugeschlagen.
Wie wird es weitergehen? Es ist unschwer
vorherzusagen, dass ernsthafte Sammler sich künftig noch
stärker auf gutes knappes Material konzentrieren, die den
Begriff "Raritäten" verdienen.
Bedingt durch die geringen Stückzahlen, kann
somit mit weiteren Preissteigerungen gerechnet werden.
Schließlich bildet sich der Preis -wie bei allen Gütern- nach
Angebot und Nachfrage und seltenes Material wird von Jahr zu Jahr
immer knapper. (Jeder renommierte Händler hat mehrere
postfrische Posthornsätze im Angebot, aber welcher Händler hat
schon einen gut sortierte Sudetenlandbestand auf Lager?).
Dieser Trend hat gerade erst begonnen, denn was
70 Jahre vernachlässigt wurde, kann nicht in 2 oder 3 Jahren
aufgeholt werden.
Aus diesen Gründen eignen sich
Sudetenlandmarken auch durchaus zur Kapitalanlage.
Dennoch sollte die Freude am Sammeln im Vordergrund stehen (je
seltener eine Marke, um so größer die Freude beim Erwerb). Es
ist jedoch gut zu wissen, dass das eigene Hobby keinen
Kapitalverzehr sondern einen Wertzuwachs erfährt.
03.06.2008
http://sudetenphilatelie.piranho.com